So kommt das Wasser in die Flasche – Zeitungsbericht der RNZ

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So kommt das Wasser in die Flasche – Zeitungsbericht der RNZ

Hier sprudelt es schon seit mehr als 45 Jahren – RNZ-Besuch beim Mineralwasser-Förderer in Gemmingen

Von Friedemann Orths

Gemmingen. Mineralwasser: Die Deutschen trinken davon jährlich mehr als 144 Liter, Tendenz steigend. Ob still, medium oder klassisch mit viel Kohlensäure, in der PET- oder der traditionellen Glasflasche – das Wasser aus der Quelle ist der beliebteste Durstlöscher in Deutschland. Die RNZ war zu Besuch bei dem Gemminger Familienunternehmen Wüteria Mineralquellen, das die Region mit Getränken versorgt.

Auf insgesamt 10.000 Quadratmetern Produktions- und Lagerfläche fördert die Firma aus drei Quellen in bis zu 140 Metern Tiefe ihr Mineralwasser. Manuel Völkel, Assistent der Geschäftsführung, führt durch die Produktionsräume, die auf rund 1200 Quadratmeter erstrecken. Los geht’s an der sprichwörtlichen Quelle, dem Wüteria Schlossbrunnen. „Den hat mein Opa 1972 tatsächlich mit einem Wünschelrutengänger entdeckt – kein Witz“, sagt Völkel. Daraufhin wurde das Werk über der Quelle errichtet, das Unternehmen gibt es jedoch schon seit 1928, damals wurden noch Weinbrände produziert. Mittlerweile beschäftigt die Wüteria Mineralquellen GmbH & Co. KG in der vierten Generation 38 Mitarbeiter.

Hinter einer unscheinbaren Tür, ein paar Stufen unter der Lagerhalle, befindet sich das „Herzstück“: einer der drei Brunnen. Eine Pumpe fördert zwischen drei und fünf Liter pro Sekunde aus 140 Metern Tiefe. Das Quellwasser, das zwischen 20 und 30 Jahre durch verschiedene Erdschichten gesickert ist, und dabei Mineralien wie Calcium und Magnesium aufgenommen hat, wird dann in Lagertanks geleitet. „Direkt aus der Quelle abzufüllen, wäre nicht nachhaltig – so kann sie sich auch mal etwas erholen“, erläutert Völkel.

Die drei Mineralwassersorten, die bei Wüteria gefördert werden – „Wüteria Schlossbrunnen“, „Wüteria Heiligenquelle“ und „Gemminger Mineralquelle“ – stammen aus drei unterschiedlichen Quellen. Zwei davon befinden sich nur ein paar Meter hinter der Lagerhalle auf dem Firmengelände. „Das natürliche Mineralwasser aus der Heiligenquelle ist beispielsweise besonders natriumarm und eignet sich für Babynahrung“, erklärt der 29-Jährige. Zuvor sickern alle Quellwasser durch Quarzsand, der das überschüssige Eisen entzieht. Laut Mineral- und Tafelwasserverordnung, die für alle Hersteller gilt, darf auch nur der Eisengehalt verringert werden und Kohlensäure hinzugefügt werden. „So wie das Wasser aus dem Boden kommt, muss es abgefüllt werden“, sagt Völkel.

Von den vier Edelstahltanks, die gemeinsam 375.000 Liter fassen, wird das Mineralwasser in die Abfüllanlage gepumpt. Für die kohlensäurehaltigen Wasser oder die Fruchtsorten wird zuvor in einem Mixer im sogenannten „Sirupraum“ CO2 beziehungsweise die Fruchtmischung hinzugefügt. Im „Füll-, Verschließ- und Etikettierblock“ werden die Glasflaschen schließlich befüllt und bekommen ihre Etikette, die mit caseinfreiem (tierknochenfreiem) Leim befestigt werden. „Unser Produkt ist also komplett vegan“, sagt Völkel mit einem Augenzwinkern. Die Maschine schafft 30.000 Flaschen pro Stunde. Zuvor kamen die Mehrwegflaschen auf Förderbändern aus der Reinigungsmaschine, wo sie in mehreren Laugenbädern bei rund 85 Grad Celsius in 25 Minuten von Schmutz und Etiketten befreit werden.

Im Gegensatz zur „Glaslinie“, bei der von der Leergutflasche aus dem Lager bis zum Setzen in die Kiste etwa 45 Minuten vergehen, geht es bei der PET-Linie schneller. Obwohl die Glasflasche „eine Renaissance“ erlebe und der Kunde umweltbewusster denke, verkauft Wüteria noch 20 Prozent der Getränke in recycelbaren Plastikflaschen. Hier laufen 14.000 von ihnen pro Stunde mit bis zu 60 Stundenkilometern an den Förderbändern. Vom PET-Rohling, der in einer Maschine erhitzt, aufgeblasen und geformt wird, bis zur abgefüllten Flasche dauert es nur etwa fünf Minuten. „Wir sind außerdem der weltweit einzige Mineralbrunnen, der seine alten PET-Flaschen selbst zu Flakes verarbeitet“, berichtet Völkel. Diese werden von einem externen Unternehmen wieder zu neuen Flaschenrohlingen verarbeitet. Stolz ist Manuel Völkel auch darauf, dass die Firma über die Hälfte ihres Stroms durch ein Blockheizkraftwerk und eine Fotovoltaikanlage selbst produziert.

Anschließend setzt der „Einpacker“ alle zehn Sekunden 96 Flaschen in acht Kisten, die dann in einem unterirdischen Tunnel ins Lager laufen. „Hier stehen zu jeder Zeit etwa 1,5 Millionen Flaschen, das reicht im Sommer für vier Tage“, sagt Völkel. An seine Grenzen geriet das Unternehmen im Rekordsommer 2003, als die Süßgetränke-Produktion zugunsten des Mineralwassers eingestellt werden musste. „Sonst hätten wir den Bedarf nicht decken können.“ Mittlerweile aber ist die Produktion so optimiert, dass die Hitze in diesem Jahr keine Einschränkungen brachte. „Problematisch war eher, die Getränke aus dem Lager zu schaffen.“ Niederschlagsarme Zeiten machen sich aufgrund des „Alters“ des Wassers sowieso immer erst Jahre später bemerkbar. „Die Auswirkungen von 2003 haben wir erst 2015 gespürt“, schätzt Völkel. Damals sprudelte aus der Hauptquelle ein Liter weniger pro Sekunde.

„Im Umkreis von 30 Kilometern sind wir bei den meisten Getränkehändlern gelistet“, sagt Völkel. Insgesamt beliefert Wüteria ihre Kunden in einem Umkreis von circa 100 Kilometern. Die Auslieferung des Mineralwassers und der Süßgetränke erfolgt mit Hilfe von neun Lkw, die täglich zwei bis drei Mal zu den Kunden rausfahren und auf dem Rückweg das Leergut mitbringen.

Für das 1250. Jubiläum der Gemeinde Gemmingen, für das Wüteria Sponsor ist, wird ab November ein besonderes Etikett die Festlichkeiten bewerben. Rund vier Millionen Etiketten werden dann die Rückseite der „Gemminger“-Flaschen verschönern.

 

Quellenangabe: Rhein-Neckar-Zeitung  Sinsheim vom 7.9.2018

2018-09-18T12:20:59+00:00
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